4 Audiovisuelles Kulturerbe im digitalen Zeitalter – im Spannungsfeld von Zugang und Verlust

Cécile Vilas (Memoriav)

Audiovisuelles Kulturerbe im digitalen Zeitalter – im Spannungsfeld von Zugang und Verlust

 

Das digitale Zeitalter prägt den Bereich der Erhaltung des audiovisuellen Kulturerbes schon lange und zeichnet sich durch vielschichtige Fragestellungen aus. Die Digitalisierung von audiovisuellem Kulturgut verfolgt dabei unterschiedliche Zielsetzungen.

 

Einerseits ist sie oft die einzige Möglichkeit, um audiovisuelle Dokumente überhaupt zugänglich zu machen: Tondokumente und Videos können wegen verschwundenen Abspielgeräten nur nach erfolgter Digitalisierung angehört und visioniert werden. Analoge Filme können in den meisten Kinos nicht mehr gezeigt werden und Fotografien können zwar als Abzug angeschaut werden, erfahren aber durch die Digitalisierung eine grössere Verbreitung. Andererseits spielt eine qualitativ hochstehende Digitalisierung bei der langfristigen Erhaltung von audiovisuellem Kulturgut eine essentielle Rolle, um die auf den fragilen Trägern gespeicherten Inhalte zu retten. Schliesslich ist hinzuzufügen, dass die audiovisuelle Produktion seit der Jahrtausendwende weitgehend digital erfolgt und sich zudem in sehr vielen neuen Produktionsbereichen exponentiell entwickelt hat.

 

Der Erhaltungsdiskurs beschäftigt sich nicht nur mehr mit den entsprechenden nachhaltigen Erhaltungsstandards, sondern muss auch der Frage nachgehen, welche Inhalte und Informationen erhalten und dokumentiert werden sollen. Aufgrund dieser grossen Vielschichtigkeit und Menge darf nicht ausgeblendet werden, dass audiovisuelles Kulturgut sehr bewusst und systematisch gesammelt werden muss, um nicht verloren zu gehen.

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